
Im vergangenen Jahr erlebte der Speichermarkt eine unerwartete Wendung: DDR4, einst als „veralteter“ Standard angesehen, erlebte einen dramatischen Preisanstieg und erlangte sowohl bei Verbrauchern als auch bei Branchenakteuren wieder Aufmerksamkeit.
Obwohl man erwartet hatte, dass DDR5 mittlerweile den Markt dominieren würde, erweist sich DDR4 als alles andere als veraltet. In diesem Artikel gehen wir den Gründen für das überraschende Comeback von DDR4 auf den Grund und beleuchten dessen Bedeutung für PC-Nutzer und die Branche.
Warum steigen die DDR4-Preise?

(Durchschnittlicher DRAM-Spotpreis – Chartquelle: TrendForce auf X )
Schrumpfendes Angebot
Führende Speicherhersteller wie Samsung, Micron und SK hynix haben ihre Produktionskapazitäten für DDR4 schrittweise reduziert und ihre Ressourcen auf DDR5 und fortschrittliche Technologien wie HBM verlagert. Durch das verknappte Angebot sind DDR4-Module knapper geworden, was die Preise in die Höhe treibt.
Übergang chinesischer Hersteller
ChangXin Memory Technologies (CXMT), das Unternehmen, das einst durch zusätzliches Angebot die DDR4-Preise senkte, hat seinen Fokus im Jahr 2025 ebenfalls auf DDR5 verlagert. Da immer weniger Hersteller DDR4 unterstützen, hat sich das Marktgleichgewicht von einem Überangebot zu einem Mangel verschoben.
Hamsterkäufe und Panikkäufe
Wenn Käufer zukünftige Engpässe befürchten, neigen sie dazu, sich frühzeitig einzudecken. PC-Hersteller, Händler und sogar Endverbraucher kaufen DDR4-Speicher in großem Umfang, was den Druck auf das ohnehin begrenzte Angebot weiter erhöht.
Preisumkehr
In einer seltenen Wendung ist DDR4 in einigen Fällen teurer geworden als DDR5. Berichten zufolge werden DDR4-Chips zu höheren Preisen pro Gigabyte gehandelt als DDR5 – ein klares Zeichen für ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage und nicht für technische Vorteile.
Warum ist DDR4 immer noch so beliebt?

Massive installierte Basis
Weltweit nutzen Millionen von Systemen immer noch DDR4-Plattformen. Für viele Anwender ist der Austausch von CPU und Mainboard allein für den Wechsel zu DDR5 nicht wirtschaftlich, weshalb ein Upgrade auf DDR4 die logische Wahl darstellt.
Ausreichende Leistung
DDR5 bietet zwar eine höhere Bandbreite und zukünftige Skalierbarkeit, DDR4 ist aber für alltägliche Aufgaben, Spiele und Büroanwendungen nach wie vor mehr als ausreichend. Für viele rechtfertigt der Leistungsunterschied nicht die Kosten eines kompletten Plattform-Upgrades.
Kompatibilitäts- und Kostenbarrieren
Ein Upgrade auf DDR5 erfordert die Investition in ein neues Mainboard und oft auch in eine neue CPU. Bei DDR4 zu bleiben ist eine einfachere und günstigere Alternative.
Marktwahrnehmung und Ästhetik
Viele DDR4-Kits verfügen nach wie vor über fortschrittliche Kühlkörper, RGB-Beleuchtung und ein elegantes Design und sind daher besonders für Gamer und PC-Bastler attraktiv, die Wert auf Ästhetik ebenso wie auf Leistung legen.
Risiken und Zukunftsaussichten

Ungewisse Lebensdauer: Wenn die DDR5-Produktion weiter steigt und die Preise sinken, könnte DDR4 seine neu gewonnene Dynamik schnell wieder verlieren.
Volatile Preise: Da immer weniger Hersteller DDR4 produzieren, könnten Angebotsschwankungen zu instabilen Preisen führen.
Kurzfristige Beliebtheit: Der aktuelle Aufschwung könnte nur vorübergehend sein und eher auf Hamsterkäufe und Panikkäufe als auf eine nachhaltige, langfristige Nachfrage zurückzuführen sein.
Abschluss
Die Renaissance von DDR4 ist nicht bloß Nostalgie – sie ist das Ergebnis sinkender Liefermengen, Plattformkompatibilität und kurzfristiger Marktentwicklungen. Obwohl DDR5 die Zukunft des Arbeitsspeichers bleibt, wird DDR4 auch 2025 seine Relevanz beweisen.
Für PC-Nutzer verdeutlicht dieser Moment, wie wichtig es ist, Upgrades sorgfältig zu planen. DDR4 bietet zwar nach wie vor ein gutes Preis-Leistungs-Verhältnis und hohe Kompatibilität, seine langfristige Verfügbarkeit ist jedoch ungewiss. In der schnelllebigen Welt der PC-Hardware spielt der Standard von gestern manchmal noch eine überraschende Rolle.



